Der beste Job der Welt II
02/05/2010
Vergangenen Donnerstag hatte ich wieder das Vergnügen dem besten Job der Welt nachzugehen, nachdem ich hauptberuflich bedingt einige Wochen pausieren musste. Ich hatte beinahe schon verdrängt wie es sich anfühlt, von sämtlichen Menschen ignoriert zu werden. Die einsame Zeit nutzte ich um, ganz nach Frankl, eine Existenzanalyse der Touristengruppen zu erstellen. Voilá, die Top3 der größten Besuchergruppen:
1. In 10-Tagen-durch-Europa-Touristen: Vorwiegend Japaner, die in großen Reisebussen vor das Haus gekarrt werden. Sie rasen in das Museum als hätten sie Angst, man würde ihnen keinen Einlass gewähren. Sie zahlen den überteuerten Eintritt, die Garderobe, den Audio-Guide und den Infoplan extra ohne zu murren. Sie blättern kurz in ihrem Reiseführer und sehen sich auch nur jene Kunstwerke an, die in ihrem Europa-Guide-Büchlein drinstehen, ohne eigentlich wirklich zu wissen, was an diesen Bildern so besonders ist. Ganz traurig werden sie, wenn ein Gemälde, das in ihrem schlauen Büchlein drinsteht, nicht da ist – aus welchem Grund auch immer. Nie vergessen werde ich jene unzähligen Episoden mit den verzweifelt-verdutzten Gesichtern jener japanischen Touristen, die extra gekommen sind, um sich den Vermeer anzuschauen:
„I’m really sorry, but Vermeer is not here!”
„Oh no! Why not?“
“Because he is in Japan, in Tokyo, in a special exhibition.”
Trotz aller Versessenheit auf die Bilder sind uns diese Touristen die liebsten. Sie sind freundlich, ruhig, tun, was man Ihnen sagt („No Flash please!“) und sind so dankbar, daß sie sich wie kaiserliche Untertanen bis zum Boden verneigen. Ihren Fanatismus für Sisi („Where Sisi“?) kann man ihnen schnell verzeihen. Sie werden morgen, wenn sie in Prag ankommen, ohnehin alles vergessen haben.
2. In 4-Wochen-durch-Europa-Touristen: Vorwiegend Amerikaner, die sich im Sommer etwas Kultur geben wollen. Natürlich gehen sie auch nur in das Museum, weil es im Reiseführer drin steht. Entsprechend schnell sind sie ja dann meistens auch draußen, wenn sie jene Bilder gesehen haben, die ihnen ihr Reiseführer empfiehlt. Aber auch sie sind sehr pflegeleicht und unterhalten sich gern und viel und sind dankbar für ein paar gute Restauranttipps. Ansonsten kann ich nicht behaupten, daß sie von Kunst viel Ahnung haben. So, wie diese Dame, die mit breitem texanischen Akzent auf mich zustürmte, als sie schon die Hälfte der Gemäldegalerie hinter sich hatte.
„Excuse me Miss, what can I see in this museum? What’s so special about it?”
“…“
“Yeah I mean, what do you have here?”
“Well, pictures actually, like this one…” Ich zeige zu einem der berühmtesten Gemälde der Welt, vor den sich schon eine Gruppe Japaner scharrt.
„‘The farmer’s wedding‘ for example is one of the most famous pictures of its age. You can also see…” Ich zähle ihr die klingenden und kostbaren millionenteuren Namen auf, die in unserem Haus herumhängen. Natürlich habe ich keine Ahnung, wie die einzelnen Bilder heissen, und erst recht nicht, was sie bedeuten oder so besonders macht. Ich bin ja erst seit fünf Jahren in dem Haus! Und: Ich bin keine Kunsthistorikerin! Die gute Lady nickt bei jedem Namen, gelassen und cool, als ob sie die Bilder persönlich gemalt hätte. Bei „Velasquez“ zeigt sie erstmals Interesse.
„What’s this, ‚the last kiss‘?“
„You mean Velasquez?“
„Yeah, yeah‚the last kiss‘, where is it?“
„Sorry Ma’am, I mean ‚Velasquez‘, a famous spanish artist, who painted the girl in the blue dress, it’s one of our most famous paintings…“
“Where can I find ‘the last kiss’”?
Ich gebe auf. Und um nicht wieder aufgesucht zu warden, male ich ihr den Weg zum Mädchen im blauen Kleid in ihrem Plan auf. Mein Kollege dort kann sich mit ihr herumplagen.
3. Auch sie tauchen meist in Rudeln auf, mindestens zwei Generationen, alle um die „mamma“ versammelt, die den Reiseführer in der Hand hält, und damit auch den Ton angibt: die Italiener. Noch schlimmer: italienische Schulklassen. Denn die haben ja echt Null Bock auf Kunst, die wollen lieber am Christkindlmarkt vor dem Haus Punsch saufen oder auf der Mariahilferstraße shoppen. Kann ich ihnen nicht verdenken.
Sie sind laut, sie photographieren vorzugsweise mit Blitz und wenn man sie darauf hinweist, nicken sie nur und photographieren weiterhin mit Blitz. Weil sie ja kein Englisch verstehen. Im Gegensatz zu den Franzosen, die kein Englisch sprechen und verstehen wollen, und den Spaniern, deren Englischkenntnisse generell recht passabel sind, können die Italiener schlicht und einfach kein Englisch. Nicht mal die Jugend! Erwarten aber im Gegenzug, daß man ihre Muttersprache fehlerlos beherrscht, und fahren einen unfreundlich an, wenn sie herausfinden, dass dem leider nicht so ist. So wie jene Dame in dem dicken Pelzmantel, mit Gold behängt wie ein Weihnachtsbaum, die an einem Weihnachtstag vor ein paar Jahren von den beiden konkurrierenden Garderoben hin- und hergeschickt wurde, und die Geduld bei der ersten Garderobe liegen gelassen hat:
“=)/VB(PQBNIO/UR§(%/”&(BVQ!!!!!!!!!”
“Sorry Madam, I don’t – “
“IU()/=P83702b87§/$(P%BP???????? $/(VB (=”BVAU BZ/!!!!!!!!!!”
“Madam, I am sorry, do you – “
“8pupnp($§)BN(QP§”=)(?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!”
“I can’t understand you, I’m sorry, do you speak english?”
“WAAI DOONT JU SPIIIK INGLISH???”
“Äh – I – “
“WAAI WAAI DOONT JU SPIIIK INGLISH? THIIS BIIIG MUSEUM, JU HÄÄÄV TO SPIIIK INGLISH!!!!”
Und weg war sie. Grazie a Dio!!!!
23/02/2011 um 12:43
[...] habe ich B. beim besten Job der Welt. Nach fünf Jahren verläßt B. den besten Arbeitsplatz der Welt in Richtung NGO, um Asylwerbern zu helfen. B. ist nämlich so ein Gutmensch. Die Arbeitgeber von B. [...]