Facebook? I’m no fan!
04/05/2010
Früher, da war ja bekanntlich alles immer besser. Sogar die Internetdroge Facebook. 2007 war FB in den USA bereits weit verbreitet, in Europa dafür eher unbekannt. Im deutschsprachigen Raum grassierte zu der Zeit zur Zeit sowieso das Stasi- tschuldigung – StudiVZ-Fieber.
Das FB-Profil bestand damals aus nur einer Seite: links oben wie gehabt ein Photo, darunter das Profil und unter dem Profil die Wall. Daneben sammelten sich die Graffitis und Geschenke, die im Laufe der Zeit von den 30 Freunden, die ich zwei Jahre lang hatte, personalisiert verschickt wurden, mit nettem Begleittext und so… Keine großen Gruppen, keine Fanpages, keine stupiden Spiele. Termine und Einladungen wurden noch per Mail, manchmal sogar noch telephonisch und mündlich übermittelt. Es gab kein Twitter, keine suggestions, keine Pages, kein gar nichts, nein, nicht einmal Werbung!!! Mit einem Satz: Es war primitiv, ja. Aber dafür war es ruhig, übersichtlich und – mehr oder weniger eine absolute Privatsache. Niemand kannte es. Niemand wollte es. Niemanden interessierte es.
Heute ist man neben ca. 298 anderen Freunden, “Freunden” und Familie mit der ganzen Chefetage seines Unternehmens “befreundet”. Mit der Nachbarin nebenan, die meinen Namen nur vom Türschild kennt. Mit dem Freund eines Freundes meines besten Freundes, dem ich einmal die Hand geschüttelt habe. Man kann virtuell etwas wie Sim City (Farmville), Tamagotchi (PetSociety) und Mafia spielen. Einladungen zu WG-Parties, Konzerten und Hochzeiten werden nur noch per Mausklick verschickt. Wer nicht liest, bzw. nicht einmal angemeldet ist, geht komplett leer aus. KLM verspricht mir einen kostenlosen KLM-Schlüsselanhänger. Es gibt Top News, News Feed, Feed Tops, News Tops, Suggestions, und Ads. Werbung, die ich mögen kann, Werbung, die ich selbst kreieren kann und als Höhepunkt nach einer Reihe von Werbung sogar “more ads”! YEAH! Es hagelt von Gott Zuckerberg sogar Vorwürfe, ich möge mich doch bei XY melden, weil diese ja schon seit Wochen nichts von mir gehört hat. So wurde meiner guten Freundin M. nahegelegt, sie möge doch “share the latest news” mit C. Bloß: C ist ihr Freund, mit dem sie zusammenwohnt. Aha! Eine Lücke: FB erkennt doch nicht, wenn jemand “in relationship to” jemand ist! Dafür werden Beziehungen auf FB beendet! Und alle können gleich ihr Beileid kundtun! Man kann Fan von allem und jedem werden. Sogar von anderen Homepages. Das kleine blaue “f” steht auf inzwischen jeder Webpage und ist dabei von gleicher Bedeutung wie die deutsche Rechtschreibereform der Neunziger: überflüssig und nervig. Und trotzdem unvermeidbar.
Kann das Tastentelefon und Briefschreiben mal nicht wieder “in” sein? Nur für einen einzigen Tag!
05/05/2010 um 16:23
[...] ich allerdings zurecht keinen Account dort besitze und mir aus diversen Gründen auch keinen anlegen werde, habe ich zumindest die Idee [...]
06/05/2010 um 06:59
Ich sag’s trotzdem: “Maja Nizamov? Stefan Mey ist ein Fan.”