WM-Wunderwuzi Vuvuzela

14/06/2010

Seit 2006 wissen wir ja, dass die Fußball-WM auch linguistisch alle Register ziehen kann – die Gesellschaft für deutsche Sprache kürte während der WM in Deutschland “Fanmeile” zum Wort des Jahres. Das potentielle Wort, oder gar “(Un-)Ding”, des Jahres 2010 hingegen hat sogar mehrere Paten: die FIFA, Fußball-Weltmeisterschaft und sein Austragungsland von 2010, Südafrika.

Das Turnier  ist kaum vier Tage alt und schon findet sich die “Vuvuzela” in jedem journalistischen Beitrag, WM – Spielanalysen ausgenommen. Das traditionelle afrikanische Blasinstrument löste inzwischen eine weit größere Diskussion aus, als das Klebenbleiben von Tony Hayward am BP-Chefsessel. Zum Vergleich: Wer in Google “Tony Hayward” eintippt, dem spuckt die Suchmaschine 1.640.000 Ergebnisse aus. Beim Suchbegriff “Vuvuzela” hingegen über 3.000.000. Weil das Ding ordentlich für Stimmung -  und bei ordentlichem Hineinblasen für 105 Dezibel sorgt. Apropos: Die ohrschädigende Grenze liegt bei 85 Dezibel. Der Soundtrack zu einem Match ist wahrscheinlich eine Herausforderung für jedermann. Und wenn das Turnier fad ist, ist das tinnitusfördernde Getröte eine perfekte Ausrede, sich einen Sündenbock zu suchen, auf dem man herumreiten kann.

Es gibt Vuvuzela-Klingeltöne, Vuvuzela-Souvenirs, Anti-Vuvuzela-Kampagnen, Pro-Vuvuzela-Bewegungen – nichts erregt die Gemüter im Jahre 2010 mehr als das afrikanische Fanaccessoire, dem perfekten Begleiter für das Stadion.
Die rund 30 cm lange Kunststofftrompete ist inzwischen auch online  in allen Farben erhältlich: Grün, schwarz, rot, gold  – samt passenden Ohrstöpseln, Vuvu-Stopper oder Tulazela genannt, die eine vorzeitige Taubheit verhindern sollen. Die westliche Welt hat bereits nach drei Tagen die Ohren voll… so sehr, dass die FIFA sogar einen eigenen Beitrag über die Vuvuzela auf ihre Website gestellt hat. Und natürlich kursiert bereits ein Protestsong (inspiriert von Fettes Brot “Emanuela“) im Netz:

Sogar standhaften WM-Verweigerern ist der Begriff bereits bekannt. Wer gemütlich eine Straße entlangflaniert und plötzlich panisch glaubt, dass ein Wespenschwarm hinter der  Ecke lauert,  kann sich gewiss sein: der nächste Fernseher mit der Live-Übertragung des aktuellen Spiels ist garantiert nicht weit. Ein Großteil der westlichen Welt, Fernsehanstalten, Zuschauer (vor den TV-Bildschirmen!!!!)  und vereinzelt auch Spieler und Trainer zeigen sich zunehmend genervt. Medien auf der ganzen Welt fragen: sollen diese infernalischen Dinger im Stadion verboten werden? Die Afrikaner verstehen die Diskussion um ihre Vuvuzela nicht. Für sie ist das Ding “der zwölfte Mitspieler”. Und außerdem eine Tradition im afrikanischen Fußball. Und mit Traditionen soll man bekanntlich nicht brechen! Frage ist, wie lange die FIFA dem Druck noch standhalten kann. Und je näher das Finale kommt, je mehr die Nerven gespannt und die Gemüter erhitzt werden, umso lauter wird das Protestgetöse werden. Noch lauter als ein Stadion voll Vuvuzelas.

2 Antworten zu „WM-Wunderwuzi Vuvuzela“


  1. Die Dinger sind eine Zumutung! Ein gutes Beispiel für die schleichende Verblödung des Menschen! Ach das waren noch Zeiten als die Fans in den Stadien sangen.. Da kommt richtig Gänsehaut auf, wenn hunderte oder tausende von Menschen einstimmig singen.. bei diesen hirnlosen Tröten möchte man am liebsten wegschalten!


  2. [...] Weder betrinke ich mich aufs asozialste und randaliere rum, noch blase ich in diese nervigen Vuvuzela-Tröten. Von einigen Freizeit-Komikern übrigens auch gerne als Uwe Moyela bezeichnet, aber das [...]


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