Love Story
05/05/2011
Wir sitzen am Flussufer und leben mal wieder unsere x-te Beziehungskrise aus. Es ist ein warmer, schwüler Samstagnachmittag, die Donau – mehr graugrün statt blau – donnert an uns vorbei und übertönt den Verkehr auf der Reichsbrücke. Ich habe keinen Bock auf Kommunikation und schweige vor mich hin. Leise summst du “alle Menschen san ma z’wider, i mechts in die Goschn haun…”, die inoffizielle Europahymne, und bringst mich zum Lachen. Ungewollt. Weil du mir eigentlich selber “z’wider” bist. Aber was soll ich tun? Ich liebe dich halt.
Es ist nicht einfach, dich gern zu haben. Gut ausschauen allein reicht nicht. Schon gar nicht bei dir. So schön bist du jetzt auch wieder nicht. Du bist mit deinen Marotten, Neurosen und Psychosen um einiges schlimmer als ich. Ich gebe meine Macken wenigstens zu, und du wirst bei einer Prise Kritik gleich hysterisch und ausfallend wie der alte Kinski in “Je später der Abend”. Und dafür könnte ich dich manchmal wirklich auf den Mond schießen. Ich kenne niemanden, der so wenig Offenheit gegenüber Neuem zeigt. Und Weltmeister im Sudern ist. Das Wort hast du wahrscheinlich auch noch erfunden. Matschkerst du noch oder grantelst du schon? Merkst du nicht, wie du mich grad dazu bringst, mich in Rage zu reden? Und dein Hang zum Morbiden – Herrgott, werd doch einmal erwachsen! Wie hast du es geschafft, mit der Zeit stehenzubleiben? Wie alt bist du jetzt inzwischen? Eben! Reiss dich doch zusammen, du unflexibler, sarkastischer, misantrophischer Mistkerl! Ich hasse, es, wenn du die Kaffeetasse vor mich hinknallst, ohne mich mit eines Blickes zu würdigen. Ich hasse es, wenn du wieder mal fließend sarkastisch sprichst, wenn es grad mal wieder nicht angebracht ist. Und ich hasse es, wenn du dich aufpudlst, dein Gesicht mal rot vor Wichtigtuerei, mal blau vor Wut anläuft. So wie jetzt eben.
Die U-Bahn donnert über unseren Köpfen “ins Nichts”, wie du so schön zu sagen pflegst, nach “Transdanubien”, und damit beleidigst du gleich mal ein Drittel der Stadtbewohner. Toleranz war ohnehin nie deine Stärke. Aber dafür bist du groß darin, dich aufgrund von nichtiger Kleinigkeiten aufzuregen und fast den dritten Weltkrieg auszulösen. Und das nur, weil auf dem blitzblanken Gehsteig ein einsames Hundstrümmerl liegt. Weil die Bim eine Minute zu spät ist. Weil die Fahrradfahrer dich echauffieren. Seit Jahren sehe ich mich immer wieder gezwungen, unsere Beziehung in Frage zu stellen. Und trotzdem bleibe ich immer wieder bei dir, trotz deines ewigen Pessimismus, trotz deiner elendigen Griesgrämigkeit und obwohl du so bist, wie du bist. Du bist mir echt z’wider, i möcht da wirklich einfach nur in die Goschn haun.

„Die meisten sogenannten Sehenswürdigkeiten sind vom vielen Hinschauen schon ganz abgenutzt.“ H. Qualtinger
Aber was soll ich schon tun. Ich liebe dich. Bedingungslos.
Wien, du bist halt anders.
05/05/2011 um 12:12
das ist eine wundervolle Liebeserklärung.